Morcellation gutartiger gynäkologischer Tumore weiterhin empfehlenswert

Mittwoch, 13. Mai 2015

Berlin – Die sogenannte Morcellation – also die minimalinvasive Zerkleinerung gutartiger gynäkologischer Tumoren in der Bauchhöhle – ist weiterhin empfehlenswert. Die Gefahr, dass dabei ein bösartiger Tumor zerkleinert wird und die Morcellation zur Ausbreitung führt, ist aus Sicht der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO), eine selbstständige Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), gering.

Viele Frauen entwickeln im Verlauf des Lebens Myome in der Gebärmutter. Wenn sie Beschwerden verursachen, raten Frauenärzte oft zur Entfernung der gutartigen Geschwulste und bei ausgedehnten Wucherungen auch der gesamten Gebärmutter. Diese Operationen werden in Deutschland heute überwiegend laparoskopisch durchgeführt. „Dieses Verfahren führt zu einer deutlich schnelleren Erholung der Frauen“, erläutert Matthias Beckmann, Mitglied der Kommission Uterus der AGO und Leitlinienbeauftragter der DGGG.

Die Patientinnen litten nach der Operation unter geringeren Schmerzen als nach einer offenen Operation und es komme in der Heilungsphase seltener zu Infektionen. Da die laparoskopischen Instrumente nur einen begrenzten Durchmesser hätten, müssten die Operateure größere Myome vor der Bergung im Bauchraum zerkleinern.


Im vergangenen Jahr hat die amerikanische Arzneimittelagentur FDA auf ein mögliches Sicherheitsrisiko hingewiesen. In seltenen Fällen könne auch ein Sarkom die Beschwerden auslösen. „Die Sarkome sind bei der Operation nicht von den Myomen zu unterscheiden“, berichtet der Direktor der Universitätsfrauenklinik Frauenklinik Erlangen. Die Diagnose stehe erst nach einer mikroskopischen Untersuchung durch den Pathologen fest. In diesem Fall könne die Morcellation zur Aussaat von Krebszellen in der Bauchhöhle beitragen, was das Fortschreiten eines bösartigen Tumors in der Regel beschleunige.

„Die Einwände der FDA sind aus Sicht der AGO im Prinzip berechtigt“, so Beckmann. Die Gefahr für die einzelne Patientin sei aber gering. Die AGO schätzt das Risiko nach einer Analyse der wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf 1 zu 416 oder 0,24 Prozent. „Dieses Risiko rechtfertigt unserer Einschätzung nach kein generelles Verbot der Morcellation“, erläutert Beckmann. Gleichwohl sollte das Risiko die Aufmerksamkeit des Frauenarztes schärfen. Es gebe zwar derzeit keinen Test, um vor der Operation sicher zwischen gut- und bösartigen Tumoren zu unterscheiden. Bei einem klinischen Verdacht auf einen bösartigen Tumor sollte der Frauenarzt aber auf jeden Fall auf die Morcellation verzichten.

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